115.000 € Schadenersatz wegen Darmverletzung

Erfahren Sie, warum wir Schadenersatz in Höhe von 115.000 € wegen Darmverletzung fordern.

Infolge einer unsorgfältigen Vorgehensweise bei einer Operation und hierdurch zugefügter Darmverletzung, welche zudem übersehen wurde, erlitt die betroffene Mandantin schwere gesundheitliche Folgen. Aus diesem Grund fordert die Kanzlei für Medizinrecht einen Schadensersatz in Höhe von 115.000 € für die Betroffene.

Wenn Sie mehr über Behandlungsfehler von Chirurgen erfahren wollen, lesen Sie HIER mehr.

Wie konnte es zu der Darmverletzung kommen?

Bei der schwangeren Patientin musste ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, da sich ihr Kind quer zum Geburtskanal befand und somit mit seiner Position den natürlichen Geburtsweg blockierte. Bei dem Eingriff stellte man fest, dass der Grund für die Querlage des Kindes in einem gutartigen Tumor der Gebärmutter (Myom) lag.

Gut zu wissen: Ein Myom ist ein gutartiger Muskeltumor. Gutartig bedeutet, dass der Tumor nur langsam wächst. Dieser drängt auch nicht in umliegendes Gewebe ein, sondern verdrängt es nur. Gutartige Tumoren bilden somit im Gegensatz zu bösartigen Tumoren (Krebs) keine Tochtergeschwülste (Metastasen).

Nachdem das Kind entbunden wurde, verlagerte man die Gebärmutter vor die Bauchdecke, um einen besseren Blick darauf zu haben. Man entfernte den Tumor und verschloss die Gebärmutter. Dabei kam es jedoch zu Blutungen. Als der Operateur die Blutungen wieder im Griff hatte, entschied er bei der Verlagerung der Gebärmutter zurück in die Bauchhöhle, einen weiteren gutartigen Tumor zu entfernen.

Zu den gefundenen Tumoren wurde jedoch nach der Operation nichts dokumentiert.

Die Patientin kam auf eine Wachstation, wo sie Herzrasen bekam und man feststellen musste, dass ihr Hämoglobinwert gesunken ist. Als Ursache nahm man hier den großen Blutverlust während der Operation an sowie eine Blutarmut.

Gut zu wissen: Hämoglobin ist ein Protein der roten Blutkörperchen. Von der Menge des Hämoglobins hängt es ab, wie gut unser Blut, Sauerstoff transportieren kann. Ist der Hämoglobinwert niedrig, so wird der Körper mit weniger Sauerstoff versorgt, was verschiedene Auswirkungen haben kann. So sind Leistungsschwäche, Herzrasen, Müdigkeit oder Schwindel typische Beschwerden.

Bei einer Blutarmut (Anämie) ist der Anteil an roten Blutkörperchen zu gering, sodass die Körperzellen nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden können. Eine Anämie kann viele Ursachen haben wie z.B. Entzündungen, Mangelernährung mit zu wenig eisenhaltiger Nahrung, Regelblutung oder eine genetische Störung.

Im weiteren Verlauf klagte die Patientin immer wieder über Schmerzen im Bauchbereich. Als die Hebamme dann den Bauch der Patientin abtastete, stellte diese fest, dass ihr Bauch so hart war, dass sie nicht in der Lage war den oberen Rand der Gebärmutter zu spüren. Man ging hier davon aus, dass die Patientin unter einem stark aufgeblähten Bauch litt, da sie keine Luft entleert hatte. Daraufhin wurde beschlossen, dass bei der Patientin ein Darmrohr eingeführt werden sollte.

Gut zu wissen: Ein Darmrohr wird durch den Darm in den After eingeführt. Verwendet wird dieses, um den Darm mit Flüssigkeiten oder Gasen zu füllen bzw. zu entleeren.

Trotzdem ließen die Schmerzen bei der Patientin nicht nach, sodass sie immer wieder nach einer Pflegekraft rufen musste. Auch wurden keine weiteren Untersuchungen vorgenommen. Der Patientin wurde lediglich mitgeteilt, dass die Ursache der Schmerzen in der Luft im Darm liegt und sie deshalb aufstehen und laufen müsse.

Zudem blieb der Hämoglobinwert weiterhin niedrig und der Bauch wurde sehr druckempfindlich, weshalb die Patientin nur noch auf dem Rücken schlafen konnte.

Am darauffolgenden Tag konnte die Patientin nichts essen und musste sich ständig übergeben. Zu diesem Zeitpunkt war der Bauch schon extrem aufgebläht. Trotzdem wurde hier keine körperliche Untersuchung, wie z.B. das Abtasten des Bauches, vorgenommen.

Bei der Arztvisite am Morgen ergab dann eine Laborkontrolle, dass die Patientin an einer Entzündung litt, weswegen der Patientin Medikamente verabreicht wurden. Auch hier wurde eine körperliche Untersuchung der Patientin nicht für nötig gehalten.

Eine Besserung des Zustands der Mandantin blieb weiterhin aus, sodass ein vaginaler Ultraschall vorgenommen wurde. Diese Untersuchung ergab, dass die Patientin geschwollene Darmschlingen hatte und sich deswegen in die Notaufnahme begeben musste. Daraufhin musste sie notfallmäßig operiert werden.

Bei der Operation stellte man eine Bauchfellentzündung mit einem Darmverschluss fest. Auch war der komplette Bauchraum voller Eiter und Fäkalien und der Dickdarm teilweise zersetzt, sodass man die Hälfte entfernen musste. Aus diesen Gründen verbrachte die Patientin eine Woche auf der Intensivstation.

Gut zu wissen: Ein Darmverschluss (Ileus) ist eine Passagestörung des Darms und daher immer ein Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss. Dabei kann sich der Darm nicht normal zusammenziehen, was zu einer Ansammlung von Nahrungsmittel führt. Symptome hierfür sind vor allem ein geblähter Bauch, starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Welche Behandlungsfehler zu der Darmverletzung geführt?

Unsorgfältige Vorgehensweise

    Bei der Entfernung des Tumors während des Kaiserschnitts, schnitt der Operateur aufgrund eines unsorgfältigen Vorgehens in den Darm der Patientin, wodurch sie eine Darmverletzung erlitt. Da diese unentdeckt blieb, kam es zu einer Bauchfellentzündung der Patientin.

    Unterlassene Befunderhebung

      Obwohl die Patientin tagelang an starken Bauchschmerzen litt, und sogar anschließend Übelkeit und Erbrechen dazu kamen, gingen die Ärzte unbeirrt davon aus, dass die Beschwerden aufgrund der Luft im Bauchraum bestanden. Hätte man hier weitere Untersuchungen vorgenommen, so wäre hier die wahre Ursache aufgefallen.

      Welche Folgen hatte die Darmverletzung für die Mandantin?

      Die Mandantin konnte sich in den ersten zwei Wochen nach der Entlassung aus der Klinik nicht um ihr Neugeborenes kümmern und ist nun infolge des Geschehens sehr stark traumatisiert.

      Sie hatte in der Zeit Todesängste, da sie sich immer wieder vorgestellt hatte, dass ihre Nähte nicht halten, aufreißen und sie sterben müsste. Auch war sie nicht in der Lage das Kind zu stillen. Aus diesen Gründen konnte sie ihr Mutterdasein nicht genießen.

      Zudem war sie bei der Körperpflege und Haushaltstätigkeiten auf die Hilfe Dritter angewiesen.

      Des Weiteren besteht aufgrund des Geschehens bis heute eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die den Alltag der Mandantin erheblich beeinträchtigt. So leidet sie deswegen an Schlafstörungen, Depressionen, Panikattacken, Ängsten. Sie wird außerdem immer wieder von den angsteinflößenden Erinnerungen überflutet.

      Die Mandantin hat auch panische Ängste vor weiteren Eingriffen und leidet erheblich an der riesigen Narbe und den Folgen der Darmentfernung, die insbesondere in der körperlichen Einschränkung mit herabgesetzter körperlicher Leistungsfähigkeit liegen.

      Sind 115.000 € ein angemessener Schadenersatz für Darmverletzungen?

      Bei der Ermittlung eines angemessenen Schadensersatzbetrages sind alle Schadenspositionen umfassend zu berücksichtigen.

      Schmerzensgeld

        So besteht in jedem Falle ein Schmerzensgeldanspruch der Betroffenen. Dabei kann man sich in diesem Falle zur Bemessung der Höhe des Schmerzensgeldes an einer vergleichbaren Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm aus dem Jahr 2010 orientieren. Hier erlitt eine 54-jährige Physiotherapeutin einen Dünndarmriss mit einer Bauchfellentzündung, mehrere Knochenbrüche, eine posttraumatische Belastungsstörung und eingeschränkte Beweglichkeit. Ihr wurde ein Schmerzensgeld von 40.000 € zugesprochen.

        Zwar hat die hier betroffene Mandantin keine Probleme in Bezug auf ihre Beweglichkeit und auch keine Frakturen erlitten, sie war allerdings zum Zeitpunkt der Behandlung lediglich 37 Jahre alt gewesen. Zudem leidet sie bis heute an den Folgen der posttraumatischen Belastungsstörung, sowie der Notoperation.

        Die Mandantin hat außerdem eine riesige Narbe bei deren Anblick sie täglich an die Erlebnisse erinnert wird, sowie auch stechende Schmerzen bei Drehbewegungen. Des Weiteren kann sie nicht richtig schlafen und wacht nachts panisch und verängstigt auf. Dies führt dazu, dass sie tagsüber sehr müde und gereizt ist, was sich negativ auf das Familienleben der Mandantin auswirkt.

        Aus den hier genannten Gründen erscheint ein Schmerzensgeld von mindestens 40.000 € angemessen.

        Haushaltsführungsschaden

          Die Mandantin ist aufgrund der Behandlungsfehler körperlich eingeschränkt, sodass sie ihre Aufgaben im Haushaltsbereich, wie z.B. die Reinigung der Wohnung oder die Betreuung ihres Kindes, nicht wahrnehmen kann. Das hat zur Folge, dass der Ehemann der Mandantin einspringen muss.

          Es darf dem Schädiger jedoch nicht zugutekommen, dass der Ehemann die Haushaltspflichten der Mandantin übernimmt. Vielmehr hat er einen fiktiven Lohn für eine hauswirtschaftliche Ersatzkraft zu zahlen. Mehr zum Thema Haushaltsführungsschaden erfahren Sie HIER.

          Zukunftsschäden

            Es müssen zudem auch weitere Schäden in Betracht gezogen werden. Zum einen können hier Schäden geltend gemacht werden, die bereits eingetreten sind, wie z.B. Zuzahlungen zu Heilmitteln, für Therapien oder Fahrtkosten. Zum anderen ist aber auch an solche Schäden zu denken, die noch nicht eingetreten sind, aber auch nicht fernliegen.

            Insbesondere muss man hier an Verwachsungen und Darmverschlüsse denken, die weitere Eingriffe erforderlich machen werden. Es besteht zudem auch die Wahrscheinlichkeit eines Darmdurchbruchs bei der Patientin, der häufig zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung führen kann, welcher auch operativ behandelt werden muss.

            Auch hier kann man sich an einer vergleichbaren Entscheidung des Landgerichts Nürnberg-Fürth aus dem Jahr 2001 orientieren, in der dem Betroffenen für eine Darmverletzung während eines Eingriffs mit folgender Bauchfellentzündung ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 € zugesprochen wurde.

            Ein Betrag in Höhe von mindestens 20.000 € ist deshalb zur Absicherung zukünftiger Ansprüche erforderlich.

            Fazit bei Darmverletzungen durch Behandlungsfehler

            Es kommt immer wieder vor, dass Operateure während eines Eingriffs dem Patienten Verletzungen zufügen, die später unentdeckt bleiben. Dies kann sehr schwerwiegende Folgen für den Betroffenen haben, wobei er jedoch die Möglichkeit hat einen Schadensersatz geltend zu machen. Sehr gravierend waren die Schäden bei einer Behandlung, die das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 2013 zu beurteilen hatte. Das Gericht hat für eine komplikationsbehaftete Operation mit Darmperforation ein Schmerzensgeld von 220.000 € vorgesehen.

            Falls Sie von einem solchen Behandlungsfehler selbst betroffen sind, ist es sehr empfehlenswert sich an einen Anwalt für Medizinrecht und Personenschäden, zu wenden. Mit einer professionellen Hilfe wird es Ihnen möglich sein, einen angemessenen Schadensersatz zu erkämpfen.

            Was können Sie tun, wenn es bei Ihnen zu Behandlungsfehlern mit Darmverletzung gekommen ist?

            Der Chirurg ist durch den Behandlungsvertrag (§ 630a BGB) zu einer den medizinischen Standards genügenden Behandlung verpflichtet. Ist dies nicht der Fall oder handelt er (grob) fahrlässig, wodurch dem Patienten Schäden entstehen, hat dieser einen Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz.

            Die Kanzlei für Arzthaftung und Geburtsschaden Mainz verfügt über das Fachwissen und die Erfahrung aus 15 Jahren Tätigkeit für Opfer von ärztlichen Behandlungsfehlern in der allgemeinen Chirurgie und der Viszeralchirurgie. Wenn Sie Fragen zu einem Behandlungsfehler im Zusammenhang mit einer Darmverletzung oder es bei Ihnen zu einer fehlerhaften Darm-OP gekommen ist, vereinbaren Sie bei uns einen unverbindlichen und kostenlosen Termin: 06131 6366752. Fachanwalt Christoph Mühl berät Sie gerne zum Thema Schmerzensgeld im Bereich fehlerhafte Darm-Operation und Darmverletzungen bei Operationen.



            Christoph Mühl
            Christoph MühlFachanwalt für Medizinrecht
            Rechtsanwalt Christoph Mühl ist Patientenanwalt und hilft seit 15 Jahren Opfern von ärztlichen Behandlungsfehlern, einen angemessenen Schadenersatz und Schmerzensgeld für Verletzungen zu erhalten, die bei Operationen und ärztlichen Behandlungen aufgetreten sind.
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