30.000 Euro Schmerzensgeld für Hallux valgus

Nach einer fehlerhaft durchgeführten OP am Ballenzeh (Hallux valgus), sowie fehlerhafter Vorsorge fordert die Kanzlei für einen betroffenen Mandanten ein Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 €.

Wie kam es zu der Operation wegen Hallux valgus?

Beim Mandanten wurde festgestellt, dass bei ihm an beiden Füßen ein Knick-Senk-Spreizfuß mit Metatarsus primus und einem Hallux valgus bestand. Aus diesem Grund entschied er sich zu einer Operation des linken Fußes. Diese Operation verlief auch erfolgreich, sodass sich der Patient dazu entschloss ,den Eingriff auch am rechten Fuß durchführen zu lassen. Dabei sollte die Operation identisch wie auf der rechten Seite ablaufen.

Gut zu wissen: Der „Knick-Senk-Spreizfuß“ ist auch unter dem Namen „Plattfuß“ bekannt. Dabei liegt bei diesem die gesamte Fußsohle am Boden auf. Ein solcher führt zu einer Fehlbelastung, die viele negative Folgen, wie z.B. Überlastungsschmerz an der Fußinnenseite und am Knöchel, Begünstigung von Entzündungen oder die Bildung eines „Hallux valgus“, mit sich bringt.

Unter einem „Metatarsus primus“ versteht man eine Deformation des Fußes, bei der der erste Mittelfußknochen, der mit dem Knochen der großen Zehe verbunden ist, gedreht und vom zweiten Mittelfußknochen abgewinkelt wird. Die Großzehe drückt dann nach innen und begünstigt dadurch Schwellungen, Blasen und Schmerzen.

Der „Hallux-valgus“, auch bekannt als „Ballenzeh“, ist eine Fehlstellung der großen Zehe, die das Laufen erschweren und Schmerzen verursachen kann.

Welche Behandlungsfehler lagen vor?

Dem hier behandelnden Arzt sind mehrere Behandlungsfehler vorzuwerfen, die insgesamt als grobe ärztliche Fehler zu werten sind.

1. Arztfehler: Ungenaue OP-Planung

Ausschlaggebend für die Wahl einer bestimmten Operationstechnik ist eine ordnungsgemäße und sorgfältige OP-Planung. Hier wurde jedoch anders als bei der vorangegangen OP auf der linken Seite, eine detaillierte OP-Planung nicht vorgenommen. Insbesondere fehlte hier die sorgfältige Vermessung der Intermetatarsale-Winkel 1 und 2 sowie der Halluxwinkel. Das wäre zur erfolgreichen Behandlung des Patienten sehr wichtig.

Gut zu wissen: Die wesentlichen Kriterien zur Feststellung, welche OP-Methode die geeignetste ist, sind die zwei Winkel im Vorfuß-Skelett: Intermetatarsale-Winkel und Halluxwinkel. Diese werden mit Hilfe einer Röntgenaufnahme ermittelt.

Gemessen wird der Halluxwinkel, indem der Arzt im Stehen die exakte Abweichung der Fehlstellung von der Normalstellung misst. Es geht hier um den Abstand zwischen der Großzehe und dem ersten Mittelfußknochen.

Um den Intermetatarsale-Winkel zu ermitteln, misst der Arzt den Abstand zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen, da die Fehlstellung dadurch gekennzeichnet ist, dass die Großzehe sich immer stärker nach außen neigt.

Beim Patienten wurde der Hallux-valgus (Ballenzeh) festgestellt, sodass eine Operation auf den ersten Blick als sinnvoll erscheinen konnte. Man entschied sich hier jedoch für die Chevron-Osteotomie als Operationstechnik, ohne hier die Entfernung eines Knochenstücks vorzunehmen. Dieser Entfernungsversuch hätte sich gerade angeboten um den krankhaften Zustand des Fußes zu beseitigen. Wenn aber darauf verzichtet wird, die getrennten Knochenteile zu fixieren, sodass sie in einer neuen Position zusammenwachsen können, ist eine solche Vorgehensweise, wie sie hier von dem Arzt gewählt wurde, nicht sinnvoll.

Vor allem ist auch nicht erkennbar, warum der Arzt darauf verzichtet hat, weil er dies nicht dokumentiert hatte. Das Verhalten des Arztes ist somit unverständlich und als grober Behandlungsfehler zu werten.

Gut zu wissen: Die „Chevron-Osteotomie“ ist ein operatives Verfahren, das bei einem Hallux valgus (Ballenzeh) angewendet wird. Durch den Eingriff wird die Achse der Großzehe, die aufgrund der Fußfehlstellung nach außen weicht, korrigiert und wieder nach vorne ausgerichtet. Dabei erfolgt ein etwa 5cm langer Schnitt in die Haut an der Fußinnenseite, direkt über dem Großzehengrundgelenk. Die neue Stellung wird dann mit Hilfe einer Schraube im Knochen fixiert.

2. Arztfehler: Überkorrektur des Hallux-valgus

Zudem ergab die Röntgenuntersuchung während der Operation, dass der Hallux valgus an der Stelle, wo es zur Durchtrennung der Knochen gekommen ist, durch diesen Eingriff zu stark korrigiert wurde; eine so genannte „Überkorrektur“. Obwohl dies mit Hilfe der Röntgenaufnahme durch den Arzt festgestellt werden konnte, wurde seinerseits trotzdem darauf verzichtet diese Fehlstellung nochmals zu korrigieren. Dies ist aus medizinischer Sicht unverständlich.

3. Arztfehler: Unzureichende Aufklärung

Ärzte sind dazu verpflichtet, ihre Patienten über mögliche Behandlungsmethoden sowie Alternativen ausführlich zu unterrichten. In diesem Sinne wurde der betroffene Patient jedoch gerade nicht ausreichend darüber aufgeklärt. Zwar bekam er einen vorgefertigten Aufklärungsbogen, den er unterschreiben musste. Jedoch war ihm nicht klargemacht worden, dass eine alleinige Chevron Osteotomie, wie sie hier bei ihm vorgenommen worden ist, ein höheres Risiko des Verbleibens einer Deformation des Fußes (Metatarsus Prmius varus) mit sich bringt. Es konnte hier also von keinem sicheren Erfolg der Operation die Rede sein, was dem Patienten jedoch aufgrund der unzureichenden Aufklärung zu keinem Zeitpunkt bewusst gewesen ist. Hätte er gewusst, dass die Fußfehlstellung weiterhin auftreten kann/wird, so hätte er die OP nicht durchführen lassen.

Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass es sich um grobe Behandlungsfehler handelt, die eine Beweislastumkehr zugunsten des Patienten als rechtliche Folge nach sich ziehen. Der Patient selbst muss hier somit den ursächlichen Zusammenhang nicht darstellen. Dafür muss sich aber der Arzt entlasten, was jedoch nur in den seltensten Fällen klappt.

Welche Folgen hatten die Behandlungsfehler bei der Hallux valgus OP für den Patienten?

Die Behandlungsfehler hatten für den Patienten Schmerzen, Beschwerden und Beeinträchtigungen zur Folge. Sein Gelenk wurde derart stark beeinträchtigt, dass es nicht mehr umkehrbar ist. Es besteht ein unheilbarer Knorpelschaden, mit dessen Folgen der Patient sein Leben lang zu kämpfen haben wird.

So ist es ihm heute nicht mehr möglich ,sein Schuhwerk in einem x-beliebigen Laden zu kaufen, weil es ihm gefällt. Vielmehr muss er nun darauf achten, dass diese Schuhe weich und auch speziell auf seinen Fuß angepasst sind.

Zudem wurde durch die fehlerhafte Behandlung das Leben des Patienten stark in Mitleidenschaft gezogen. Schon das Bergauflaufen ist für ihn mit erheblichen Schmerzen, Schwellungen sowie Überwärmung und Druckschmerzen verbunden. So erscheint heute für den Patienten ein einfacher Spaziergang, der sich für die meisten Menschen entspannend anfühlt, als „ungenießbar“. Auch sind Sportarten, wie Wandern oder Fahrradfahren für den Patienten aufgrund seiner Beschwerden nicht mehr möglich. Denn bei jedem Schritt wird das betroffene Gelenk belastet und das führt unmittelbar zu Schmerzen. Es steht außer Frage, dass sich diese massive Beeinträchtigung weiter im Fuß ausbreitet.

Durch die Behandlungsfehler ist der Mandant somit stark beeinträchtigt. Er muss sehr genau darauf achten, wie er sein Leben gestaltet, damit so wenige Schmerzen auftreten, wie nur möglich. Diese ständigen Einschränkungen wirken sich naturgemäß negativ auf die Lebensqualität aus.

Sind 30.000 € für grobe Behandlungsfehler beim Hallux valgus Eingriff angemessen?

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes können vergleichbare Entscheidungen helfen. So kann man sich hier an dem Urteil des Kammergerichts in Berlin aus dem Jahr 2012 orientieren, in dem sich ein Patient aufgrund eines Aufklärungsfehlers zur Durchführung einer OP entschieden hat, was schwere gesundheitliche Probleme zur Folge hatte. Diesem Patienten wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von nur 15.000 € zugesprochen.

Die Gerichte sind jedoch nicht verpflichtet sich an frühere Entscheidungen zu halten. Empfinden sie eine Verletzung als schwerwiegender, so können sie auch ein großzügigeres Schmerzensgeld zusprechen. Gerade in Zeiten steigender Inflation und der Tatsache, dass der Mandant einen Dauerschaden erlitten hat, muss das Schmerzensgeld höher ausfallen, als vor zehn Jahren, wie in der Entscheidung des KG Berlin.

Was können Sie tun, wenn bei Ihnen ein Fehler bei einer Hallux valgus OP vorliegt?

Ein negativer Ausgang für die Patientinnen und Patienten bedeutet nicht zwangsläufig, dass dem Arzt ein Fehler unterlaufen ist. Hier gilt es scharf zu differenzieren und Belege zu beschaffen, dass es sich tatsächlich um ein ärztliches Versäumnis handelt. Damit auch Sie in einer solchen Situation mit Ihren Fragen nicht alleine sind, ist es besonders wichtig einen erfahrenen Anwalt für Medizinrecht an Ihrer Seite zu haben. Dieser ist in der Lage, den Behandlungsfehler mit Unterstützung durch einen Sachverständigen nachzuweisen.

Ein Behandlungsfehler ist immer dann gegeben, wenn der Arzt gegen bewährte Regeln verstößt (Behandlungsstandard) und -wie hier – schon bei der Planung schludert. Denn diese ist bei einer Hallux valgus OP wesentlich und ohne eine gründliche Planung wird -wie hier- nicht das richtige Verfahren gewählt. Den Patienten auch nicht über Alternativen aufzuklären, stellt einen gravierenden Verstoß gegen die Aufklärungspflicht dar.

Bei Behandlungsfehlern von Orthopäden bedarf es viel Erfahrung und sehr viel fachliche Kompetenz, um den Verstoß zu belegen und einen angemessenen Schadenersatz und ein Schmerzensgeld durchzusetzen.

Die Kanzlei für Arzthaftung und Geburtsschäden Mainz verfügt über das Fachwissen und die Erfahrung aus 15 Jahren Tätigkeit für Opfer von ärztlichen Behandlungsfehlern in der Unfallchirurgie und der chirurgischen Orthopädie. Wenn Sie Fragen zu einem Behandlungsfehler im Zusammenhang mit einer Hallux valgus Operation haben oder auch bei Ihnen eine unzureichende Aufklärung über Behandlungsalternativen vorlag, vereinbaren Sie bei uns einen unverbindlichen und kostenlosen Termin: 06131 6366752. Fachanwalt Christoph Mühl berät Sie gerne zum Thema Schmerzensgeld bei Fehlern im Bereich Hallux valgus OP und medizinischen Fehlern von Orthopäden.



Christoph Mühl
Christoph MühlFachanwalt für Medizinrecht
Rechtsanwalt Christoph Mühl ist Patientenanwalt und hilft seit 15 Jahren Opfern von ärztlichen Behandlungsfehlern, einen angemessenen Schadenersatz und Schmerzensgeld für Verletzungen zu erhalten, die bei Operationen und ärztlichen Behandlungen aufgetreten sind.
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